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5. Umstieg auf eine vollwertige Ernährung

21. Sep. 2024 · Dr. Patay Gábor
5. Umstieg auf eine vollwertige Ernährung

Mein Darmgarten beginnt zu blühen

Es gab eine Zeit, in der Ernährung für ihn nur eine Frage der Makronährstoffe war. So hatte er gelernt: Eiweiß für den Muskelaufbau, Kohlenhydrate als Treibstoff, Fett zur Aufrechterhaltung des Hormonhaushalts. Doch jetzt, nachdem er seine Vorratskammer ausgemistet hatte, veränderte sich auch seine Denkweise. Essen war nicht länger Treibstoff. Sondern Dünger – für den unsichtbaren Garten, der in ihm lebte.

Die ersten Veränderungen waren kaum wahrnehmbar. Seine Verdauung wurde ruhiger. Die Blähungen nach den Mahlzeiten ließen nach. Sein Schlaf vertiefte sich, seine Träume wurden klarer. Und was vielleicht am überraschendsten war: seine Gelüste veränderten sich. Statt Proteinriegeln verlangte es ihn nach Sauerkraut. Statt Schokolade wünschte er sich in Kefir eingelegte Heidelbeeren. Ihm wurde klar, dass sein Darm andere Signale sendete – weil andere Bewohner darin lebten.

Er nährte sie sorgfältig. Mit Präbiotika aus Lauch und Hülsenfrüchten. Mit fermentierten Lebensmitteln voller Lactobacillus- und Bifidobacterium-Stämme. Mit gekochten und abgekühlten Kartoffeln, von denen er sich resistente Stärke erhoffte. Mit Rotkohl, Granatapfel und Olivenöl, denn er brauchte eine Polyphenolquelle. Schon nach wenigen Tagen spürte er, dass sein Darm anders zu arbeiten begann – nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Eine Art Klarheit kehrte zurück, von der er nicht einmal gemerkt hatte, dass sie gefehlt hatte.

Und das bestätigte auch die Wissenschaft. Wenn wir echte, vollwertige, ballaststoffreiche Nahrung essen, ernähren wir nicht nur uns selbst – wir essen gemeinsam mit jenen Bakterien, die uns schützen. Diese wiederum produzieren im Gegenzug „Postbiotika“ wie Butyrat, Propionat und Acetat – kurzkettige Fettsäuren, die Entzündungen reduzieren, den Blutzuckerspiegel stabilisieren und sogar die Gehirnfunktion verbessern können.

Nichts daran war spektakulär. Er nahm keine Nahrungsergänzungsmittel. Er fastete nicht extrem. Er bekam keine Infusionen. Er aß einfach echtes Essen. Er kochte echte Mahlzeiten. Und es entstand ein echter Rhythmus in ihm. Eines der am meisten unterschätzten Anti-Aging-„Medikamente“ der Welt: langsames, im Sitzen ausgeführtes Kauen.

Er begann, einer einfachen Regel zu folgen: „Wenn ich nicht weiß, woher es stammt – aus der Erde oder aus der Luft –, dann wollen meine Mikroben es wahrscheinlich nicht.“ Wenn er die Herkunft nicht zurückverfolgen kann, ist auch er nicht daran interessiert. Innerhalb von zwei Wochen sank sein Ruhepuls. Seine HRV (Herzfrequenzvariabilität) – die er über seine Uhr verfolgte – stieg an. Doch wichtiger als die Zahlen: Er spürte, dass er wieder mit etwas Natürlichem in Verbindung stand. Als wäre er zu seinem in der Erde verwurzelten Selbst zurückgekehrt.

Nächste Woche:Die Uhr, die heilt“ – intermittierendes Fasten, zirkadiane Mikroben und warum es wichtiger ist, wann du isst, als du denkst.

1. Fu, J. – Dietary Fiber Intake and Gut Microbiota in Human Health

Jiani Fu, Meiqi Chen, Rui Li, Min Liu, Dietary Fiber Intake and Gut Microbiota in Human Health, International Journal of Molecular Sciences, 2022 Dec; 23(24): 15674.

Ergebnisse:

Fu und Kollegen zeigen in ihrer Übersichtsarbeit im Detail, welche grundlegende Rolle die bei der Fermentation pflanzlicher Ballaststoffe entstehenden kurzkettigen Fettsäuren (SCFA) – wie Butyrat, Propionat und Acetat – für den Erhalt der menschlichen Gesundheit spielen. Diese Verbindungen verbessern die Integrität der Darmwand, reduzieren Entzündungsreaktionen und stabilisieren den Blutzuckerspiegel.

Sie betonen, dass SCFA nicht nur lokal im Darm wirken, sondern auch systemische Effekte haben – sie beeinflussen die Immunantwort, den Stoffwechsel und die neurokognitive Funktion. Der Studie zufolge steht eine geringe Ballaststoffaufnahme in Zusammenhang mit Dysbiose sowie der Entstehung zahlreicher chronischer Erkrankungen (Adipositas, metabolisches Syndrom, entzündliche Darmerkrankungen).

Die Autoren betonen, dass eine vollwertige, ballaststoffreiche Ernährung die Vielfalt und Widerstandsfähigkeit der Mikrobiota unterstützt – genau jenen Effekt, den auch der Autor des Blogs erlebte.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9787832/

2. Chen, Z. – Resistant Starch and the Gut Microbiome

Zhenhua Chen, Resistant Starch and the Gut Microbiome, International Journal of Molecular Sciences, 2024 Jan; 25(1): 312.

Ergebnisse:

Chens Studie untersucht die Rolle resistenter Stärke (RS) für die Funktion der Darmmikrobiota. RS wird im Dünndarm nicht verdaut, sondern gelangt in den Dickdarm, wo die Mikrobiota sie fermentiert und daraus SCFA produziert – insbesondere Butyrat, das für die Gesundheit des Dickdarms von zentraler Bedeutung ist.

Der Artikel zeigt Belege dafür, dass der Verzehr von RS die Präsenz nützlicher Bakterien – etwa Faecalibacterium prausnitzii – erhöht und gleichzeitig Entzündungsreaktionen reduziert. Die Studie zeigt zudem, dass der regelmäßige Verzehr von RS die Insulinsensitivität verbessern, die Gewichtskontrolle unterstützen und der Entstehung eines metabolischen Syndroms vorbeugen kann.

Lebensmittel, die reich an resistenter Stärke sind – etwa gekochte und abgekühlte Kartoffeln oder Hülsenfrüchte – spielen laut dem Blogbeitrag ebenfalls eine Schlüsselrolle für die mikrobiota-fördernde Wirkung der Ernährung.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10819196/

3. Kim, E. H. J. – Chewing Modifies Gut Microbiota and Metabolites

Eun-Hye Jessica Kim, Andrew S. Greenhill, Xingqian Ye, Kate Howell, Chewing differences in consumers affect the digestion and microbial metabolite profiles of plant-based foods, Food Research International, 2022 Nov; 162: 112106.

Ergebnisse:

Die Untersuchung von Kim und Kollegen zeigte, dass Kaugewohnheiten – insbesondere gründliches und langsames Kauen – nicht nur die Verdauung verbessern, sondern auch einen direkten Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmmikrobiota und die Produktion von Metaboliten haben.

Den Forschern zufolge fördert langsameres Kauen die bessere Freisetzung von Polyphenolen und Ballaststoffen, wodurch die Aktivität nützlicher Darmbakterien gesteigert und die Konzentration von SCFA – insbesondere Butyrat – im Darm erhöht wird. Das ist auch für die Funktion der Darm-Hirn-Achse besonders wichtig, da SCFA direkten Einfluss auf kognitive Funktionen und die Stimmung haben können.

Die im Blogbeitrag erwähnte Gewohnheit des „langsamen, im Sitzen ausgeführten Kauens“ ist also nicht nur ein Lebensstil-Tipp, sondern eine wissenschaftlich belegte Methode zur mikrobiota-basierten Gesundheitsförderung.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35972507/

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PG
Dr. Patay Gábor · Mikrobiota-Spezialist, Arzt
MicroBiome Bank