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11. Schleimhautimmunität und sekretorisches IgA

3. Nov. 2024 · Dr. Patay Gábor
11. Schleimhautimmunität und sekretorisches IgA

Die innerste sekretorische Verteidigungslinie

An der Universität dachte er, Immunität finde im Blut statt – T-Zellen, Antikörper, Entzündung. Doch je mehr er las, desto klarer wurde: die eigentliche Frontlinie ist die Schleimhaut, besonders im Darm. Und der geheime Soldat, der diese Grenze bewacht? Ein Molekül namens sekretorisches IgA.

Sekretorisches IgA (sIgA), produziert von den Plasmazellen der Darmwand, umhüllt Mikroben, Nahrungspartikel und fremde Moleküle und hilft dem Immunsystem, Gutes von Schlechtem zu unterscheiden und Letzteres zu markieren – ohne eine vollwertige Entzündungsreaktion auszulösen. Das ist das Flüstern des Immunsystems, nicht sein Schrei.

Er vermutete, dass seine eigene Schleimhautbarriere dünner geworden war. Jahrzehnte an Stress, gelegentliches Übertraining, NSAR, Schlafstörungen. Seine Darmwand hatte sich wahrscheinlich abgeschwächt, seine mikrobielle Vielfalt verringert. Und das bedeutete niedrigeres sIgA – und größere Anfälligkeit für Entzündungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, sogar autoimmune Abdrift.

Deshalb beschloss er, sie wiederherzustellen.

Er erhöhte die Zufuhr von Immunonährstoffen: Zink sowie natürliche Quellen und Vorstufen von Vitamin A und D (D3!). Er dachte auch über Kolostrum nach. Er aß mehr fermentiertes Gemüse, besonders solches mit viel Lactobacillus plantarum, das bekanntermaßen die Schleimhautimmunität unterstützt. Und er verlangsamte sich. Die Mahlzeiten wurden bewusster. Das Atmen zum Ritual. Er führte sogar vorübergehend zwanzig Kauvorgänge pro Bissen ein – weniger wegen der Verdauung, mehr wegen des Ruhesignals. „Nicht hetzen!“, sagte er, wenn jemand neben ihm sein Essen hinunterschlang.

Innerhalb weniger Wochen veränderte sich etwas. Sein Darm reagierte nicht mehr auf zuvor „sichere“ Lebensmittel. Seine Nasennebenhöhlen wurden klarer. Seine Haut wurde reiner. Er vermutete, dass die Toleranz zurückgekehrt war – nicht nur in seinem Darm, sondern auch in seinem Leben.

Er brauchte nicht mehr Immunität. Sondern bessere Kommunikation zwischen Körper und Mikroben. Zwischen der inneren und der äußeren Welt. Das – erkannte er – ist das Wesen der Gesundheit.

Nächste Woche: „Mein Darm und ich gingen in Therapie“ – Stress, Kortisol und die Rückkopplungsschleife zwischen Mikrobiota und Gehirn.

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PG
Dr. Patay Gábor · Mikrobiota-Spezialist, Arzt
MicroBiome Bank