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9. Schlaf und Mikrobiota

20. Okt. 2024 · Dr. Patay Gábor
9. Schlaf und Mikrobiota

Ich brachte meinen Schlaf in Ordnung, und meine Verdauung dankte es mir

Anfangs glaubte er, seine Schlafprobleme hingen mit dem Alter zusammen. Er wachte um drei Uhr morgens auf, sein Kopf ratterte, der Puls war leicht erhöht. Seine Garmin-Uhr zeigte einen fragmentierten Tiefschlaf. Er probierte Magnesium, Meditation, weißes Rauschen, vollständige Verdunkelung. Es half – kurzzeitig. Aber nichts erwies sich als dauerhaft.

Dann richtete er den Blick nach innen. Im wörtlichen Sinne.

Neue Forschungsergebnisse deuteten auf einen Zusammenhang zwischen der Schlafqualität und der Vielfalt der Darmmikrobiota hin. Menschen mit schlechtem Schlaf zeigen häufig ein geringeres Vorkommen von Lactobacillus, Bifidobacterium und Faecalibacterium – genau jenen Mikroben, die mit geistiger Klarheit und der Regulierung des Immunsystems in Verbindung gebracht werden. In Tiermodellen veränderte die Störung des zirkadianen Rhythmus die mikrobielle Zusammensetzung des Darms, was wiederum die Stoffwechsel- und kognitiven Funktionen verschlechterte.

So begann erneut ein Selbstversuch.

Er führte eine strikte abendliche Beruhigungsroutine ein: nach 18:30 Uhr kein Essen mehr, nach 21:00 Uhr keine Bildschirme, eine heiße Dusche, ein kühles Schlafzimmer. Die entscheidende Ergänzung? Ein abendliches „Darm-Tonikum“: ein Esslöffel Flohsamenschalen in Wasser, gefolgt von zehn Minuten tiefer Nasenatmung, und um 22:00 Uhr ins Bett. Nach 14:00 Uhr keine Stimulanzien mehr. (Er wäre fast wahnsinnig geworden nach einer Tasse Kaffee.) Von da an kein Alkohol mehr. Keine Ausnahmen.

Innerhalb einer Woche veränderte sich etwas. Nachts fühlte sich sein Darm ruhiger an. Keine Kortisolspitzen um drei Uhr morgens mehr. Der Tiefschlaf erholte sich. Seine Träume kehrten zurück – lebendig, symbolisch, manchmal seltsam. Er wachte energiegeladen auf, nicht benommen. Er vermutete, dass auch seine Mikrobiota sich ausruhte – nicht mehr gestört durch spätabendliches Naschen (beim Serienschauen), Kortisol oder die Unterdrückung von Melatonin.

Es stellte sich heraus, dass Gehirn und Darm in ständigem Dialog stehen. Melatoninrezeptoren säumen den Verdauungstrakt. Bestimmte Mikroben helfen bei der Synthese von GABA und Serotonin. Schlaf dient nicht nur dem Geist – sondern auch den Mikroben, die im Verborgenen alles am Laufen halten.

In sein Tagebuch schrieb er in jener Woche: „Ich habe nicht nur meinen Schlaf verbessert. Ich habe den Rhythmus meines gesamten Körpers neu eingestellt.“

Nächste Woche: „Starker Körper, widerstandsfähiger Darm“ — oder wie Muskelmasse, Bewegung und Training die Mikrobiota formen.

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PG
Dr. Patay Gábor · Mikrobiota-Spezialist, Arzt
MicroBiome Bank